Was Mensch und Tier zum Handeln zwingt.

01.08.2022

Ist es nicht so: An manchen Tagen werden wir zu Zeugen von Handlungen, die von Menschen oder auch von Tieren ausgeführt werden, die in unserem Verstand sofort die Frage aufkommen lassen, warum handeln die jetzt ausgerechnet so? Welche Ursache, welcher Urgrund, steht eigentlich hinter allem Handeln von Mensch und Tier, respektive was lässt sie mal so und später ganz anders handeln? 

Nun, die kürzeste Antwort darauf liegt sicher im Hinweis auf den 'Bewusstseinsgrad', denn schlussendlich ist die gesamte Schöpfung ein fortlaufend evolvierender Prozess essenziellen Bewusstseins.

Die Entfaltung des Bewusstseins hängt allerdings von der Organisation der Dinge und den sie umgebenden Umständen ab. In einem Stein kann sich kein tierisches, in einem Tier kein menschliches Bewusstsein entfalten; im Menschen selbst, könnte kein göttliches Bewusstsein offenbar werden, wenn nicht der Funke der Göttlichkeit in seiner Seele enthalten wäre.

Aus den verschiedenen Bewusstseinszuständen des Menschen gehen die Motive seiner Handlungen deutlich hervor. Doch der Mensch selbst tut sich sehr schwer damit, diese erkennend zu ergründen.

Nach der zeitlosen Weisheitslehre, der Theosophie, und wie es auch jedem bei eigenem Nachdenken klar werden wird, liegen allen Daseinszuständen drei Natureigenschaften zugrunde, und alles Handeln und Tun geht aus einer oder mehreren dieser Eigenschaften hervor.

Diese drei Natureigenschaften (Attribute) werden in der östlichen Lehre die 'drei Gunas' genannt.

Der Mensch befindet sich in seiner Verkörperung unter dem Einfluss dieser drei Naturkräfte, der sogenannten Gunas (Eigenschaften). Sie sind es, welche die Evolution als solches bewirken. Sie schaffen das geoffenbarte Weltall. Nur der Mensch identifiziert sich selbst mit diesen Kräften. 

Der Mensch glaubt, dass er handelt, während eigentlich diese drei Kräfte die Handelnden sind. Durch die Täuschung, die sie hervorbringen, geblendet, verliert er gänzlich das Wissen über sich selbst. 

Beachtenswert ist: dass keine der drei Kraft-Qualitäten oder -Eigenschaften abgesondert von den beiden anderen betrachtet werden kann. Diese drei sind fundamental drei Tätigkeiten des menschlichen Bewusstseins, und essentiell sind sie jenes Bewusstsein selbst.


Diesen drei Gunas sind also klare Eigenschaften inhärent:

  • Sattva  oder  Erkenntnis, Klarheit, Wahrheit oder Weisheit;
  • Rajas   oder  Begierde, Leidenschaft oder Begehrlichkeit;
  • Tamas oder  Nichterkenntnis, Finsternis, Unwissenheit, 


Die Bhagavad Gita sagt: 

"In was immer für Formen irdische Leiber erscheinen, Brahman ist der mächtigste Mutterleib von allem, und Ich (der Geist) der befruchtende Vater.

Sattva, Rajas und Tamas sind die drei Zustände, (Gunas), welche aus der Natur (Prakriti) entspringen und durch welche der ewige Geist während seiner Einverleibung an die Körper gebunden ist.

Von diesen bindet ihn Sattva, welches leuchtend und rein ist, weil seine Natur nicht befleckt ist, durch das Rad der Glückseligkeit und des Erkennens.

Wisse, das Rajas, welche die Eigenschaften der Begierde in sich hat und die Quelle des Dranges und Verlangens ist, die einverleibte Seele durch Werke bindet.

Wisse auch, das Tamas, aus der Nacht der Nichterkenntnis geboren, die Seele durch Unwissenheit, Trägheit und Nichtbewusstsein bindet."

Jedes Ding, jeder Zustand, jede Tat, bietet ein ganz anderes Bild dar, je nachdem ihm die eine oder andere dieser drei Eigenschaften zugrunde liegt. Alle Beurteilungen werden dadurch vereinfacht, indem wir die Motive betrachten, aus denen ein Zustand, eine Eigenschaft oder eine Handlung entspringt.

Nehmen wir beispielsweise die MORAL

  • wenn sie aus Sattva, der Erkenntnis, der Wahrheit, entspringt, ist sie rein, frei von Eigendünkel und Selbstsucht, eine der höchsten Tugenden des Menschen.
  • wie erbärmlich nimmt sich dagegen die "Moral" desjenigen aus, dessen Beweggrund Rajas ist. Ein solcher Mensch der nicht gerade ein absichtlicher Heuchler sein will, riecht dennoch in seiner "Moral" nach Selbstsucht und Eigendünkel. Er stellt seine Persönlichkeit über alles, bildet sich ein, besser als andere zu sein, hofft auf Belohnung für seine Moralität und liegt auf den Knien vor dem angebeteten Kalb des Selbst.
  • Die dritte Art von Moral ist diejenige, welche der Unwissenheit oder Dummheit, Tamas, entspringt. Ein solcher Mensch sündigt nicht, weil er entweder keine Gelegenheit dazu hat oder diese nicht zu nutzen versteht. Er steht auf der niedrigsten Stufe; denn er hat den "Feind", den er überwinden soll, noch nicht einmal kennen gelernt. 

Betrachten wir das WISSEN:

  • Das Wissen, welches aus Sattva, der wahren Erkenntnis, entspringt, bildet diejenige wahre Wissenschaft, welche den Menschen erleuchtet, erhebt und erbaut.
  • Das Wissen, welches aus Rajas kommt, ist eine bloße Befriedigung der wissenschaftlichen Neugierde ohne wahres Verständnis. Es ist ein Scheinwissen, ohne Erkenntnis der Wahrheit, und dient in der Regel zu nichts als zur Ernährung des Gelehrtendünkels und wissenschaftlichen Größenwahn.

  • Das Wissen, welches aus Tamas entspringt, ist ein verkehrtes Wissen, ein Selbstbetrug, entstanden durch irrige Meinungen, Autoritätsglauben, verbunden mit der Unfähigkeit selber zu denken. Ein großer Teil heutzutage allgemein angenommener Lehren beruht auf einer totalen Nichterkenntnis der Wahrheit.

Schlussendlich betrachten wir ARMUT

  • Die Armut, welche aus Sattva kommt, ist leicht zu ertragen. Denn ein Mensch, der zur Erkenntnis seines wahren göttlichen Wesens gelangt ist, hat keine außergewöhnlichen Bedürfnisse; er ist seiner Armut froh, weil er dann keinen Reichtum hat, der ihm Sorgen und Pflichten auferlegt. Er ist von allen Menschen der reichste, denn da er nichts wünscht, so hat er, wenn er auch nichts hat, doch alles, was er begehrt.
  • Die Armut dagegen, welche aus Rajas entspringt, also zum Beispiel aus verfehlender Spekulation, ist schwer zu ertragen. Der Reichste ist der Ärmste, wenn ihn die Gier, seinen Reichtum zu vermehren, verzehrt.

  • Die Armut, welche aus Tamas, aus Gleichgültigkeit und Trägheit, entspringt, macht auch nicht selig. Ein solcher Mensch trauert, weil er nichts hat, und ist dennoch zu träge, sich etwas zu erwerben. Auf der intellektuellen Ebene erkennen wir ihn als denjenigen, dessen Weisheit aus Bücherkram besteht, aus dem er sich die Meinungen anderer Leute aneignet, weil er zu faul zum eigenen Denken ist. Auf der physischen Ebene ist es der Vagabund, welcher lieber bettelt als arbeitet.

Kommen wir nun zum Tier, 

welches im Prinzip durch dieselben universalen Natureigenschaften der Gunas geprägt ist wie der Mensch notabene alle Erscheinungsformen des Lebens im Universum.

Wir sollten uns mitunter allerdings bewusst werden, dass jedwede Lebensform auf der untersten Stufe der sichtbaren physischen Materie ihren evolvierenden Anfang nimmt, nämlich auf der Ebene der Mineralien, deren Folge vegetative Materieformen sind, die hernach in tierische Ausdrucks- und Bewusstseinsformen evolvieren. Allen Evolutionsschritten liegen Gunas zugrunde, die allen für den Formen-Aufbau essenziellen Lebensatomen ihre prägnanten Charaktereigenschaften aufdrücken; ein jedes Atom wird somit durch ein spezielles Guna dominiert. 

Aus der Beobachtung der Wildtiere in der freien Natur wissen wir, dass es im Grunde drei unterschiedliche Tier-Charaktere gibt:

  • das flüchtende Tier
  • das unterwerfende Tier
  • das angreifende Tier  

Mit Hilfe der oben skizzierten Natureigenschaften können wir leicht die verantwortlich prägenden Gunas erkennen: Flucht ist das Kennzeichen von Tamas; Unterwerfung resultiert aus Sattva; und Angriff ist Rajas folgend. 

Bei allen Lebewesen unterhalb der Evolutionsebene des Menschen kommt indes noch ein massgebender Faktor hinzu und der basiert auf dem nichtselbstbewussten Bewusstsein respektive auf der Tatsache, dass alle Körper von Mineralien, Pflanzen und Tieren, noch ohne die göttliche Gabe des Manas leben müssen. 

Manas ist ein Sanskrit-Begriff, dessen Wurzel bedeutet "denken, nachdenken oder reflektieren" - kurz gesagt, mentale Fähigkeit. Der Mensch, dessen Körper, Ausdrucksform und Bewusstseinsträger reif wurde um mit Manas beseelt zu werden, konnte sich zum  'Denker' entwickeln.

Die physischen Körper unterhalb der Evolutions-Ebene des Menschen sind allerdings noch nicht reif, um ein Organ für das Denken auszubilden, weshalb erst der Mensch in die Lage kommt, sein eigenes Verhalten und auch die dazu führenden Hintergründe zu erfassen und zu reflektieren. Erst ein Mensch kann durch zunehmende Erfahrung, Wissen und mentale Reflexion, Liebe und Vertrauen in göttliche Schöpfung erlangen, weshalb Tiere nahezu ausschließlich aus Unsicherheit und Angst handeln; Angst vor Kontrollverlust über das Leben und das Lebensterrain; Angst vor dem Verlust des Lebens. 

Aber selbst der mit Eintritt ins Menschendasein begabte Denker, der 'Manas-Mensch', lebt vielfach immer noch, bis heute, in seinen tierischen Ängsten und Unsicherheiten, weil er die Gabe des Denkens nicht oder noch nicht richtig einzusetzen weiß. Seine Wesensnatur wird dominiert von den niederen Eigenschaften der Gunas, von tiermenschlichen Begierden, Gelüsten und Wünschen sowie den damit in Verbindung gebrachten Verlustängsten. Die materielle Essenz dieser niederen Gunas besteht aus feinstofflich-astralen Lebensatomen. Es ist also nicht der Denker der sein Ausdruckswesen dominiert, sondern seine Wünsche und Begierden. Die zunehmende, unausweichlich evolvierende Folge daraus: Panikattacken, Depressionen und chronische, vermehrt krebstreibende, Krankheitsbilder.

Alles Material, aller Baustoff für die Erschaffung jener Vielfalt von Lebensformen, ist durch die GUNAS determiniert, die somit die materielle Grundausstattung, die Zusammensetzung aller feinstofflichen Formen, Schleier, Hüllen, wie aller grobstofflich-materiellen Körperformen (allesamt Bewusstseinsträger), durch ihre attributiven Lebensatome begründen und die essenziellen Natureigenschaften allen Handelns entscheidend prägen. 

Nicht zu vergessen ist allerdings, dass nichts in der Natur ohne Wandel ist, dass nichts jemals stehen bleibt, nichts sakrosankt festgelegt ist, weil alles, wirklich alles, der ewig fortschreitenden Evolution unterliegt - auch die Wirkungskräfte der Gunas. 

Wenn auch die Essenz der Gunas als solche nichtveränderbar ist, weil sie zum nichtveränderbaren ewig universalen Prinzip gehört, so ist es gleichwohl doch deren Mischverhältnis notabene deren Dominanz. 
Im Übrigen ist es auch jenes Mischverhältnis, das beispielsweise den nach dem Ayurveda einzuordnenden Ernährungstyp des Menschen erkennen lässt.

Schlussendlich ist es das Privileg des Menschen, aufgrund seiner vielfältig differenzierten Attribute, in seinem göttlichen SELBST bewusst zu werden. Reinheit im Denken, Fühlen, Reden und Handeln zu bewirken und damit die Atom- und Guna-Struktur seines Ausdruckswesens, ergo die Zusammensetzung seiner fein- und grobstofflichen Bewusstseinsträger positivfördernd zu ändern und zu entfalten. Er muss sich allerdings darum ehrlich bemühen und konsequent wie diszipliniert kontinuierliche 'Reinigung' betreiben. 

In unseren Studiengruppen zur zeitlosen Weisheit, der Theosophie, erarbeiten wir in dieser Hinsicht alle notwendigen Grundlagen und Praxisübungen. 

Interessent:innen mögen sich bitte über unser Kontaktformular für ein persönlich klärendes Gespräch anmelden. Namaste. (f.h.)


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